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Kritiken zum Theaterstück:

DER MESSIAS von Patrick Barlow



2025-11-09: TAGES-ANZEIGER Zürich

von Isabel Hemmel:
"Filmregisseur Markus Imboden führte Regie bei «Der Messias»"

Der Abend, den Filmregisseur Markus Imboden («Der Verdingbub») inszeniert hat, bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Tragikomik und Klamauk, der den Schauspielern perfektes Timing und Improvisation abverlangt und schon deswegen jedes Mal etwas anders ausfallen dürfte.

Wie die Premiere vom 1. November zeigte, braucht es allerdings einen Moment, um zu entscheiden, ob das 1983 uraufgeführten Stück überhaupt noch zeitgemäss ist. Denn: Wenn zwei Männer Figuren wie Josef und den Erzengel Gabriel spielen und dann auch die Rollen der Jungfrau Maria und der Hebamme Josefine übernehmen, kann Komik schnell in Klamauk umschlagen. Und ja, in «Der Messias» wird gnadenlos überzeichnet. Das muss man mögen. Doch in der ganzen Absurdität finden sich auch viele tiefe, berührende Momente.

Eine absurde Szene gibts gegen Ende: Bernhard (Wiesnekker), der einen Hirten mimt, ist so in seine Rolle vertieft, dass er sich darüber ärgert, dass er den Engel verpasst hat, den er aus Personalmangel zwischenzeitlich selbst gespielt hat.
Diese Enttäuschung, die sich bei Bernhard breitmacht, ist so lustig wie berührend. Um live und aus nächster Nähe die Regungen in Wiesnekkers markantem Gesicht zu beobachten, schon dafür lohnt sich ein Besuch.

2025-11-03: Keystone-SDA

von Miriam Margani*:
Theo (Siegmund Tischendorf) und Bernhard (Roeland Wiesnekker) bringen die Weihnachtsgeschichte auf die Bühne. Als Schauspieler, die alle Rollen selber übernehmen, sind die beiden allerdings eher ambitioniert als talentiert. Als Freunde sind sie einander etwas zwischen tief verbunden und voneinander genervt. Eine wunderbare Mischung, um das Publikum während rund zwei Stunden - ganz nach den Regeln des britischen Humors - in einen Strudel von Skurrilitäten, Pannen und Streitereien zu reissen.

Wie die Premiere vom 1. November zeigte, braucht es allerdings einen Moment, um zu entscheiden, ob das 1983 uraufgeführten Stück überhaupt noch zeitgemäss ist. Denn: Wenn zwei Männer Figuren wie Josef und den Erzengel Gabriel spielen und dann auch die Rollen der Jungfrau Maria und der Hebamme Josefine übernehmen, kann Komik schnell in Klamauk umschlagen. Und ja, in «Der Messias» wird gnadenlos überzeichnet. Das muss man mögen. Doch in der ganzen Absurdität finden sich auch viele tiefe, berührende Momente.

Die Crew um Regisseur Markus Imboden hat sich zudem entschieden, sich statt an der deutschen Adaption an der britischen Originalfassung zu orientieren. Damit räumt das Stück auch der dritten Rolle, Frau Timm (doppelt besetzt mit den Mezzosopranistinnen Leila Pfister und Stephanie Szanto) viel Platz ein. Und ihre Auftritte gehören zu den Highlights im Stück.

Besonders ist, dass das Publikum im Theater zum Weissen Wind in Zürich an Beizentischen sitzt und nicht in ordentlichen Theaterreihen - also gewissermassen mittendrin im lustigen Chaos. Diese Nähe zum Spiel macht es einem leicht, die Aussenwelt komplett zu vergessen und den Lachtränen freien Lauf zu lassen.

*Diese Texte von Miriam Margani, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert

2025-10-30: m&k markt-kom

Anna Kohler im Gespräch mit Markus Imboden
DER MESSIAS: Markus Imboden, Anna Kohler

"Markus Imboden: Rückkehr zum geliebten Theater"

Für den profilierten Regisseur Markus Imboden, der durch über 60 Filme, darunter Erfolge wie Der Verdingbub (2011) und über 50 Fernsehfilme, einschliesslich Episoden von Tatort, bekannt ist, markiert Der Messias eine Rückkehr zu seinen Anfängen im Theater. Imboden erklärte im Interview, dass er die Arbeit am Theater immer geliebt habe und sie für ihn heute viel spannender sei als die zunehmend technische Filmarbeit.

Imboden betonte, dass das Stück den Darstellern viel abverlange, da es dramatische und komische Elemente sowie Slapstick vereine. Er sieht den Reiz der Komödie darin, dass sie den Menschen, insbesondere die beiden Männer in diesem Stück, in ihrer „Erbärmlichkeit“ zeige und das Gegenteil von Heldengeschichten sei. Der Humor des Stücks funktioniere gut, weil er auf den Missgeschicken basiere, die jedem im Alltag passierten.

Chaos, Pannen und die Weihnachtsgeschichte
Der Messias ist eine Weihnachtskomödie, die von zwei mässig begabten Schauspielern und einer Sängerin mit miserablem Timing handelt, die versuchen, die Weihnachtsgeschichte auf die Bühne zu bringen. Theo (Siegmund Tischendorf) und Bernhard (Roeland Wiesnekker) müssen alle Charaktere selbst übernehmen – vom Erzengel Gabriel über Maria und Josef bis hin zu Hirten und den Weisen aus dem Morgenland.
Der Versuch führt zu zahlreichen komischen Pannen, die von Slapstick bis zu improvisierten Einlagen reichen. Ein Höhepunkt ist die humorvolle Inszenierung der Geburt Christi, die von den beiden Männern dargestellt wird. Die befreundete Sängerin, Frau Timm, soll für die musikalische Untermalung mit Händels Messias sorgen, kommt aber oft zu spät oder hat eigene Probleme.

Teamwork mit Hochkarätern
Die Darsteller schwärmten von der Zusammenarbeit. Siegmund Tischendorf beschrieb die Arbeit mit dem „Hochkaräter“ Imboden als einen „Höllenritt“, der grossen Spass mache. Roeland Wiesnekker, der nach 20 Jahren auf die Bühne zurückkehrt, betonte, dass das Stück, welches viele „Unfälle“ und Improvisation erfordert, grosses Vertrauen untereinander verlange, um sich „durch improvisieren“ zu können.

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